Marktübersicht DE 0926

Hohe Butterlager und zuletzt wieder steigende Einlieferungen verunsichern

Die positiven Signale von den internationalen Notierungen kommen in der Schweiz einmal mehr nur teilweise an. Gedämpft wird die Stimmung insbesondere wegen der noch immer hohen Butterlager. Hinzu kommt, dass in einigen Regionen die Einlieferungen auf dem hohen Vorjahresniveau sind, was zusätzlich verunsichert. Die weitere Entwicklung der Einlieferungen ist denn auch entscheidend für das vierte Quartal. Unsere
Einschätzung ist, dass die kurzzeitig gestiegenen Milchmengen Ende August nicht allzu nachhaltig sein dürften. Aufgrund früherer Alpabzüge und der Umstellung wieder auf Weidefütterung sind die Mengen kurzfristig früher gestiegen als in anderen Jahren. Aktuell pendeln sich die Einlieferungen aber auf dem Niveau von 2024 ein. Der Effekt der Futterknappheit wurde dadurch kurzzeitig etwas gebremst. Spätestens im Winter wird dann das Futter aber definitiv fehlen und ab Frühling dann auch die Kühe, welche diesen Sommer geschlachtet wurden.

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Internationale Notierungen stabil

Der internationale Markt zeigt sich uneinheitlich stabil. Während auf Proteinseite die Post abgeht und die Preise weiter steigen, geben die Fettpreise leicht nach. Der Global Dairy Trade schloss Anfang September mit +0.9% höheren Preisen als noch Mitte August. Die Magermilchpulverpreise stiegen dabei nochmal um über 5%. Der Kieler Rohstoffwert ist im August wieder mit einem etwas grösseren Schritt von 2.7 cents auf 38.7 cents gestiegen und nähert sich weiter der 40 ct Marke an. Erfreulich präsentieren sich auch die Kieler Börsenmilchwerte, welche ein deutlich höheres Preisniveau für die kommenden Monate anzeigen als noch vor einem Monat. Ein weiteres Indiz, dass die Preise in Europa im Herbst steigen werden, geben auch die Spotmilchpreise in Italien. Nachdem der Spotmarkt Mitte August für zwei Wochen geschlossen war, sind die Preise danach markant angestiegen und kommen der 50 cents Marke in grossen Schritten näher.

Biomilch: Preiserhöhung bei Silomilch, unsichere Absatzsituation bei silofreier Milch

Aufgrund der anhaltenden Hitze, Trockenheit und der damit verbundenen Futterknappheit wird der Preis für Biomilch um 3 Rappen erhöht. Die Absatzsituation für unsere Bio silofreie Milch im Käsereibereich bleibt weiterhin sehr schwach. Entsprechend haben wir unsere Vorschau angepasst und gehen derzeit davon aus, dass voraussichtlich bis Ende Jahr kein silofreier Zuschlag ausbezahlt werden kann. Die bescheidenen Mehrerlöse decken kaum die zusätzlichen Transportkosten. Während Biomilch insbesondere in Frischprodukten weiterhin gefragt ist, gestaltet sich der Absatz im Bereich Käsereimilch schwierig. Die Perspektiven bleiben damit unsicher, und es fehlen aktuell die nötigen Impulse für eine nachhaltige Markterholung. Auch wenn noch nicht alle Gespräche mit unseren Abnehmern abgeschlossen sind, stellt sich zunehmend die strategische Frage, ob und in welcher Form an der silofreien Sammlung festgehalten werden soll.

Umsetzung Richtpreiserhöhung

Nachdem der Vorstand der BO Milch in seiner August Sitzung eine Erhöhung des A-Richtpreises um +4 Rappen beschlossen hat, gilt es im Verkauf nun die Preiserhöhung konsequent umzusetzen. Denn allein der Beschluss der BOM erhöht die Preise nicht automatisch, sondern diese müssen mit jedem Kunden einzeln verhandelt werden. Wir werden die Preiserhöhung im A Segment vollständig umsetzen und spüren bisher auch entsprechende Unterstützung von unseren Kunden. Die Ausgangslage und aussergewöhnliche Situation auf vielen Betrieben ist für alle klar und wir werden die dringend notwendige Preiserhöhung mit aller Konsequenz einfordern. Allerdings gibt es auch einige Unsicherheiten, welche die Richtpreiserhöhung mit sich bringt. Die nach wie vor hohen Butterlager werden als Argument herangezogen, dass eine Preiserhöhung im Inland zu diesem Zeitpunkt nicht angebracht sei. Ein weiteres Risiko birgt die durch die Richtpreiserhöhung steigende Preisdifferenz zum Ausland, der Importdruck wird noch grösser und Schweizer Produkte verlieren weiter an Wettbewerbsfähigkeit. Und zu guter Letzt verunsicherten die Einlieferungsmengen, welche Ende August aufgrund früherer Rückkehr von den Alpen und wieder moderaterem Wetter deutlich gestiegen waren.

Was es jetzt braucht für eine nachhaltige Preiserhöhung

Damit die Richtpreiserhöhung nachhaltig umgesetzt und vom Markt aufgenommen wird, braucht es jetzt zwei Massnahmen: die Butterlager müssen weiter abgebaut werden und die Einlieferungsmengen müssen sich deutlich unter dem Vorjahresniveau einpendeln. Nur so gibt es eine Chance, dass die notwendige Preiserhöhung auch für das erste Quartal 2027 weitergezogen werden kann.

Käsereimilch: bis jetzt keine Signale für Preiserhöhung

Auch silofrei produzierende Betriebe sind von der Hitze und Trockenheit diesen Sommer betroffen und das Futter knapp. Eine Preiserhöhung wäre also auch im Käsereimilchbereich angebracht. Für eine Umsetzung der Preiserhöhung bräuchte es die Koordination der Sorten, welche die Preiserhöhungen bis auf Stufe Käsepreis umsetzen. Diese ist bis jetzt leider ausgeblieben und es kommen keinerlei Impulse aus dieser Richtung, dass die Preise auch für silofreie Milch erhöht werden können. Zwar wurden die Käse- und Milchpreise bei der letzten Richtpreissenkung im Februar auch nicht nach unten korrigiert. Dennoch wäre die Preiserhöhung aufgrund der ausserordentlichen Situation auf Produktionsseite auch hier dringend nötig. Ohne entsprechende Impulse können wir aktuell die Basispreise für silofreie Milch nicht erhöhen. Sobald wir aber von den Sortenorganisationen entsprechende Signale erhalten, werden wir eine Preiserhöhung auch für Käsereimilch unterstützen.